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TelefonSeelsorge Erfurt

Vorstand Mai 2022

Telefonseelsorge befürwortet gesetzliche Regelung für Suizidprävention

Selbsttötungen zu verhindern sei gesamtgesellschaftliche Aufgabe
 

Berlin, 18.5.2022 – Die TelefonSeelsorge Deutschland (TSD) positioniert sich im Rahmen ihrer Jahresversammlung klar für ein gesetzlich verankertes Maßnahmenpaket zur Suizidprävention. Nötig sei es aber auch, bereits bestehende Angebote und das vorhandene Wissen der für das Thema engagierten Organisationen zu bündeln.

„TelefonSeelsorge ist seit rund 70 Jahren mit Suizidprävention befasst. Selbsttötungen zu verhindern ist ein wesentlicher Grund, warum es uns gibt“, erklärt Pfarrer Frank Ertel, Vorsitzender der TSD und Leiter der TelefonSeelsorge in Aachen. „Es ist höchste Zeit, diesem Thema politische Aufmerksamkeit zu widmen und gesetzlich verankerte Rahmenbedingungen zu geben. Wir unterstützen von daher die Forderungen des nationalen Suizidpräventionsprogramms (Naspro) und weiterer Organisationen nach einer umfassenden und einheitlichen Regelung und einer nationalen Koordinierung.“

 

9.206 Menschen sind 2020 laut statistischem Bundesamt in Deutschland an Suizid gestorben. Damit übersteigt ihre Zahl deutlich die Zahl der durch Verkehrsunfälle, Mord und Totschlag, illegale Drogen und AIDS zu Tode Gekommenen. Schätzungen gehen von weit über 100.000 Suizidversuchen aus. (Quelle: www.naspro.de/dl/Suizidzahlen2020.pdf)

 

Die TelefonSeelsorge verfügt über langjährige Erfahrung in der Beratung von Menschen in suizidalen Krisen. Der Umgang mit diesem Thema ist wesentlicher Bestandteil der Ausbildung für die Arbeit am Telefon. Neben dem rund um die Uhr besetzten Telefon bietet die TelefonSeelsorge Krisenberatung seit über 25 Jahren auch online (per Mail und Chat) an. An über 20 Standorten gibt es auch Angebote für eine Beratung vor Ort. Suizidgefährdete oder vom Suizid Angehöriger Betroffene finden außerdem Hilfestellungen zum Umgang mit diesem Thema in der von TelefonSeelsorge entwickelten App „KrisenKompass.“

„Zugleich muss klar sein, dass unser Angebot begrenzt ist. Um Suizidalität umfassend einzudämmen, bedarf es vieler weiterer Maßnahmen“, betont Pfarrerin Gunhild Vestner, stellvertretende Vorsitzende von TSD und Stellenleiterin der TelefonSeelsorge in Recklinghausen. „Dazu gehört die Koordination aller existierenden Angebote, aber auch eine bessere Aufklärung über Suizidalität bereits in der Schule.“

 

Die Stärke von TelefonSeelsorge liege in der Niederschwelligkeit ihres Angebots, der 24-stündigen Erreichbarkeit und der Anonymität. Menschen, die einsam oder psychisch krank sind, nutzten TelefonSeelsorge als Anlaufstelle. Sie seien häufig latent suizidal und erlebten im Gespräch mit TelefonSeelsorge Verständnis und Zugewandtheit.

Dazu sagt Diplom-Theologe Michael Hillenkamp, Vorsitzender von TSD: „Wir hoffen auf einen Schub für das Thema, der zu materiellen Verbesserungen und zum Ausbau der bestehenden Suizidpräventionsmaßnahmen führt – und damit zur weiteren Verringerung von Suiziden und Suizidversuchen. In den dafür nötigen Prozess bringen wir unsere Expertise gern ein.“ 

 

 

 

 

Hintergrundinformation

Mit mehr als 7.700 geschulten Ehrenamtlichen in 104 Städten oder Regionen ist die TelefonSeelsorge deutschlandweit tätig. Um möglichst vielen Menschen den Zugang zu ermöglichen, stehen Mitarbeitende ganzjährig rund um die Uhr am Telefon zur Verfügung. Die TelefonSeelsorge berät Menschen jeder Nationalität, jedes Geschlechts, jeder Konfession und jedes Alters. Sie verpflichtet sich zu weltanschaulicher Neutralität. Alle Beratungsangebote, auch die Vorort-Beratung, sind anonym und kostenfrei. Seit 1995 bietet TelefonSeelsorge auch Online-Beratung, zunächst per Mail, inzwischen zusätzlich auch per Chat an. Sie wird von rund zwei Drittel der Dienststellen zusätzlich zum rund um die Uhr erreichbaren Telefondienst angeboten.

An insgesamt 25 Standorten gibt es auch Beratung vor Ort. Da es hier auch zu einem längerfristigen Beratungssetting kommen kann, arbeiten in der Vor-Ort-Beratung überwiegend hauptamtliche Kräfte mit einschlägiger beruflicher Ausbildung. Durch den unkomplizierten Zugang zu den Offene-Tür-Stellen, die während ihrer Öffnungszeiten einfach zur Beratung betreten werden können, ist eine schnelle, niederschwellige Krisenintervention möglich.

Mit der kostenlosen App „KrisenKompass“ bietet die Telefonseelsorge auch Hilfe zur Selbsthilfe bei depressiven Gefühlen und Suizidgedanken für Betroffene und Angehörige.

2021 wurden 989.160 telefonische und 47.442 persönliche Beratungsgespräche geführt. Es wurden 43.635 Mails geschrieben und es wurde 32.023-mal gechattet. Dank der Unterstützung der Deutschen Telekom sind die Telefonnummern 0800/1110111 und 0800/1110222 seit 1997 gebührenfrei.

Ulrike Mai (Pressestelle)

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